Deutsch English
Wir über uns
Mitglieder
Links
Impressum

 

News

Internationales Symposium - Die Verbindung von nachhaltiger sanitärer Grundversorgung und Grundwasserschutz


Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), welche sich für die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen und für den Schutz des menschlichen Lebensraums engagiert, nahm die Gelegenheit wahr, um durch die Organisation des internationalen Symposiums zum Thema „Die Verbindung von nachhaltiger sanitärer Grundversorgung und Grundwasserschutz“ vom 14.-17. Oktober 2008 auf die immensen Probleme der Grundwasserverschmutzung in den Entwicklungsländern aufgrund fehlender oder mangelhafter sanitärer Grundversorgung hinzuweisen.
 
Zusammen mit den internationalen Partnern (BMZ, UNEW und WHO) sowie den unterstützenden Organisationen (BORDA, DED, DWA, GTZ, IAH, KfW und TTZ) bot das BGR dieses Symposium als die erste Veranstaltung an, welche sich mit beiden Themenkomplexen beschäftigte. Das Symposium diente als ein Forum zum Austausch zwischen Fachleuten aus Entwicklungsorganisationen, technischen und wissenschaftlichen Experten und Repräsentanten aus der Politik, welche sich der Unterstützung nachhaltiger sanitärer Grundausstattungen verpflichtet fühlen. Es wurde auf politischer Ebene zu einer Diskussion über die technischen und wissenschaftlichen Ansätze zur Verbesserung der sanitären Grundversorgung und des Grundwasserschutzes ermutigt.
 
Die folgenden Aussagen der „Sustainable Sanitation Alliance“, welche auf den Bellagio Prinzipien beruhen, diente als Basis für die weiteren Ausarbeitungen: 
  • Das Hauptziel des sanitären Grundversorgungssystems ist der Schutz und die Förderung der menschlichen Gesundheit indem eine saubere Umwelt gewährleistet und der Kreislauf der Krankheiten durchbrochen wird.
  • Damit es nachhaltig ist, muss ein sanitäres Grundversorgungssystem nicht nur ökonomisch tragfähig, sozial akzeptabel und technisch sowie institutionell angemessen sein; es muss auch die Umwelt und die natürlichen Ressourcen schützen.
  • Sanitäre Grundversorgung spielt eine große Rolle in der Gleichberechtigung der Geschlechter: Die Anzahl der Mädchen, die zur Schule gehen, ist deutlich angestiegen aufgrund sauberer und nach Geschlechtern getrennten sanitären Anlagen in den Schulen.
Gleicher Zugang zu Wasser und sanitärer Grundversorgung wird als Menschenrecht angesehen, welche die Basis für ein würdevolles Leben darstellen. Wasser muss verfügbar, zugänglich, von guter Qualität und erschwinglich sein. Für die Ärmsten soll ein Minimum an Wasser, welches zum Überleben notwendig ist, kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Die Staaten können selbst entscheiden, ob sie ihre Verbindlichkeitserklärung durch den öffentlichen oder durch den privaten Sektor erfüllen lassen wollen. 

Folgerungen 

Während des Symposiums wurden die folgenden Schlussfolgerungen herausgearbeitet: 
  • Vorbeugung ist besser als Heilung
    Natürliches Grundwasser, unbelastet von menschlichen Aktivitäten ist frei von Krankheitserregern. In Fällen, in denen Trinkwasserquellen in direkter Nachbarschaft zu einer Verschmutzungsquelle wie beispielsweise einer Klärgrube liegen, verursacht die Nähe von Trinkwasser zu mikrobiologischer Verschmutzung den Infektions-Teufelskreis, welcher ernsthafte Krankheiten und zahllose Todesfälle zur Folge hat. Neben der Reduzierung von Gesundheitsrisiken, kann angemessene sanitäre Grundversorgung auch die meisten Einträge von gelösten organischen und anorganischen Materialien in das Grundwasser vermeiden. Da natürliches Grundwasser gewöhnlich von guter Qualität ist, kann es meist ohne weitere Behandlung in das lokale Wasserversorgungsnetz eingespeist werden. Somit wird unbelastetes Grundwasser eine günstige und sichere Trinkwasserquelle, die speziell für die Armen verfügbar ist. Geschützte Grundwasserressourcen können in der Nähe von Siedlungen angezapft werden und sie machen somit die Versorgung mit Distanz-Wasser oder die teure Behandlung von Oberflächenwasser unnötig. Daher ist jede Schutzmaßnahme in Form von nachhaltiger sanitärer Grundversorgung und angemessenem Grundwasserschutz deutlich kosteneffektiver als jede folgende und kostenintensive Behandlung von belasteten Wasserquellen oder die Versorgung mit Distanz-Wasser.
  • Grundwasserschutz benötigt verlässliche Informationen über die geografische Ausdehnung sowie über Quantität und Qualität des Grundwasservorkommens.
    Existierende Daten müssen evaluiert und für die Anspruchsgruppen transparent gemacht werden. Geowissenschaftliche Untersuchungen werden benötigt, um ein besseres Verständnis komplexer Grundwassersysteme und ihrer Dynamik zu erhalten. Der Prozess der natürlichen Grundwassererneuerung oder, im Falle einer fossilen Grundwasserressource ihre zu erwartende Lebenszeit, müssen quantifiziert werden. Der Schutz von Grundwasserressourcen und die angemessene Instandhaltung der Wasserversorgungs- und Sanitärstrukturen sind ein wichtiger Schlüssel zum Schutz vor Grundwasserverschmutzung sowie zur Sicherung der Nachhaltigkeit ökonomischen Investitionen. Ebenso sichern sie die Bereitstellung von Grundwasser auch unter der Bedingung einer Überflutung oder einer Dürre in der Zukunft ab.
  • Investitionen in nachhaltige sanitäre Grundversorgung sind Investitionen in die zukünftige Entwicklung und werden sich ökonomisch auszahlen.
  • Die Verbindung zwischen nachhaltiger sanitärer Grundversorgung und Grundwasserschutz ist ein wichtiger Faktor um die „Millenium Development Goals“ (MDGs) zu erreichen.

Empfehlungen

Die folgenden Empfehlungen wurden von den Teilnehmern des internationalen Symposiums entwickelt:
  • Beides, sowohl Grundwasserschutz als auch nachhaltige sanitäre Grundversorgung stellen eine Basisaufgabe für jede Entwicklungsplanung dar.
  • Abwasser wird als wertvolle Ressource angesehen, jedoch muss der unkontrollierte und unregulierte Gebrauch verboten werden. Aufgrund von hygienischen und gesundheitlichen Risiken muss hier dem WHO „Multi-Barrier Ansatz“ gefolgt werden.
  • Technische Standards zum Gebrauch von Abwasser und zum Schutz von Grundwasser sind notwendig und dienen als ein Werkzeug für sichere und nachhaltige Planung, Vertragsvereinbarung und Konstruktion von sanitären Systemen.
  • Neue Wege der Planung, welche auch nachfragebezogene Ansätze enthalten, müssen eingeführt werden. Technische Lösungen müssen die aktuelle lokale Situation einbeziehen und können Ansatzpunkte aufzeigen für Beurteilungen und Lösungskonzepte.
  • Die Schaffung von Bewusstsein und Erziehung bezüglich Gesundheit und sanitärer Einrichtungen, speziell für Frauen, dienen als Basis für erfolgreiche Zusammenarbeit. Die Einbindung aller Anspruchsgruppen ist der Schlüssel zu „ownership. Angemessene Anreize und die klare Formulierung von Vorteilen sind der Schlüssel zur Veränderung von Einstellungen und der Einführung neuer Konzepte.
  • Effiziente politische Strukturen, Strategien und rechtliche Konstruktionen sind nötig. Das Unterlassen von Verbesserungen der sanitären Bedingungen und die daraus folgende Verschmutzung des Grundwassers bedroht das Bruttoinlandsprodukt aufgrund steigender Kosten in den Bereichen Gesundheit, Arbeit und Produktion. Daher müssen Grundwasserschutz und sanitäre Grundversorgung auf den höchsten politischen Ebenen angesprochen werden.
  • Lokale und regionale Grundwasserressourcen und ihre Schutzgebiete müssen in Entwicklungspläne mit einbezogen werden: Jede neue Siedlung muss Grundwasserressourcen berücksichtigen und der Schutz der grundwasserführenden Schicht sollte höchste Priorität besitzen. 
  • Geowissenschaftliche Aspekte müssen mit einbezogen werden, wie beispielsweise das Klima, die Hydrogeologie, die Bodenbeschaffenheit und die Geomorphologie. Die Grundwasserqualität und dessen Quantität sowie die Grundwassererneuerung und der Rückfluss müssen überwacht werden, um eine sichere Wasserversorgung zu garantieren.

 Zufällige Begegnung

Während des Symposiums wurde BORDA Direktor Stefan Reuter von Perry McCarty, Professor an der Stanford University und Preisträger des Stockholmer „World Water Prize“ 2007, angesprochen. Während seiner Forschung auf dem Gebiet der sauerstoffunabhängigen Technologie für Abwasserbehandlung war Perry vor 30 Jahren einer der ersten Forscher weltweit, die an sauerstoffunabhängigen komplexen Reaktoren und an sauerstoffunabhängigen Filtern arbeiteten und über diese Themenbereiche publizierten. Er hält noch immer einige Patente aus dieser Zeit. 1982 wurde er zu einigen Vorlesungen in die Volksrepublik China eingeladen, wo er auch seine Forschungsergebnisse vorstellte. Als BORDA zehn Jahre später begann den DEWATS Ansatz zu entwickeln, waren sauerstoffunabhängige Reaktoren und Filter bereits in China in Form verschiedenster Designs zur dezentralen Behandlung von Abwässern in Gebrauch. Perry war glücklich zu sehen, dass seine Idee, die ursprünglich auf hochgradig konzentriertes organisches Abwasser abzielte, zu einem Eckpfeiler der Bereitstellung von sanitärer Grundversorgung durch dezentralisierte Behandlung häuslicher Abwässer geworden war.
 
Präsentationen weitere Informationen über das Symposium finden Sie hier: