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Statusbericht der UN zu Wasser und sanitärer Grundversorgung


2005 hatte die von der UN eingesetzte CSD (Commission on Sustainable Development) auf ihrer 13. Tagung 72 Aktionsgrundsätze beschlossen. Diese betrafen die Bereiche Wasserversorgung, integriertes Wasser-Ressourcen Management und die sanitäre Grundversorgung.
 
2008 wollte die DESA (Department of Economic and Social Affairs), die bei der UN der CSD übergeordnet ist, den Status Quo der Umsetzung der Aktionsrichtlinien in insgesamt 35 Ländern überprüfen. Mit der Überprüfung wurde die unabhängige Organisation SIWI (Stockholm International Water Institute) beauftragt.
 
Die 35 überprüften Länder, auf die in ihrer Gänze hier nicht eingegangen werden kann, wurden so ausgewählt, dass eine möglichst große Vielfalt an geografischen, menschlichen und entwicklungspolitischen Charakteristika einbezogen werden konnte.
 
Die Untersuchung wurde anhand von Indizes durchgeführt, wobei drei Indizes besondere Wichtigkeit beigemessen wurde: 
  • WSS Access (Ein Index, der den Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen beschreibt; dieser Index wird bei der Analyse in den Zugang zu Wasser und in den Zugang zu sanitären Einrichtungen aufgespaltet)
  • CSD 13 Policy Index (Dieser Index beschreibt mit Hilfe von 11 Untersuchungsaspekten, in wieweit die Aktionsgrundsätze in den einzelnen Ländern umgesetzt worden sind)
  • Der HDI (Human Development Index (Dieser Index wird hier nur zu Vergleichszwecken herangezogen)
Bei der globalen Untersuchung der ausgewählten 35 Länder fällt auf, dass die Umsetzung der Aktionsgrundsätze in den Bereichen Wasserversorgung und Integriertes Wasser-Ressourcen Management am weitesten fortgeschritten ist. Der Bereich der sanitären Grundversorgung fällt hier deutlich ab. Wenn man den Berech der „sanitation“ in seine drei Komponenten (basic sanitation, hygiene, wastewater) aufspaltet, dann fällt auf, dass der Bereich der Abwasserbehandlung extrem unterentwickelt ist. Das ist besonders tragisch, da es erprobte Lösungen zur Behandlung von Abwässern gibt: Die von BORDA verbreiteten Lösungen zur sanitären Grundversorgung mit DEWATS leisten seit über 10 Jahren ihren Beitrag auf diesem Gebiet. Auch die Verbreitung von hygienisch unbedenklichen Toiletten ist bei weitem nicht soweit fortgeschritten, wie es notwendig wäre. Auch auf diesem Gebiet kann BORDA dezentrale, bezahlbare, umweltfreundliche und erprobte Lösungen anbieten.
 
Bei dem Vergleich der einzelnen Länder fällt auf, dass zwischen den Indizes einige Zusammenhänge bestehen. Ein starker Zusammenhang besteht dabei zwischen der Höhe des Human Development Index (HDI) und dem Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen (WSS Access): je höher der HDI, desto höher ist auch der Zugang der Bevölkerung zu Trinkwasser und sanitären Einrichtungen. Allerdings fällt auch hier auf, dass der Zugang zu Trinkwasser deutlich weiter fortgeschritten ist als der Zugang zu sanitären Einrichtungen. In lediglich vier von den 35 untersuchten Ländern hat der Zugang zu sanitären Einrichtungen einen höheren Index als der Zugang zu Trinkwasser. Dies ist in Kirgisien, Samoa, Sri Lanka und Trinidad der Fall.
 
Interessanterweise besteht allerdings kein Zusammenhang zwischen dem HDI und dem CSD 13 Policy Index, d.h. die Stärke der Anstrengung eines Landes die Aktionsgrundsätze umzusetzen wird nicht durch den „relativen Reichtum“ eines Landes bestimmt, die Stärke der Anstrengung hängt nicht vom Entwicklungs­stand (HDI) ab. Es gibt durchaus Staaten mit geringem HDI, die sehr große Anstrengung zur Verbesserung der sanitären Verhältnisse unternommen haben.
 
Ein gutes Beispiel hierfür ist Sambia: Der HDI des Landes ist sehr niedrig und der WSS Access Index ist ebenfalls nicht hoch. Dafür besitzt Sambia den viertbesten Wert aller Länder für die Umsetzung der Aktionsgrundsätze. Seit 2007 kooperiert BORDA zusammen der Water and Sanitation Association of Zambia (WAZASA) in der Verbreitung dezentraler sanitärer Grundversorgung mit DEWATS.
 
Tansania, ein Land, in dem BORDA ebenfalls aktiv ist, hat ebenfalls einen sehr niedrigen HDI und einen WSS Access, der noch schlechter ist, als der von Sambia. Das Problem bei Tansania liegt zusätzlich darin, dass die Umsetzung der Aktionsrichtlinien nicht mit Nachdruck verfolgt wird.
 
Die Asiatischen Länder schneiden insgesamt etwas besser ab als die afrikanischen. Beispielhaft werden hier nur die Länder aufgeführt, in denen BORDA mit ihren Partnern Projekte durchführt oder plant:
 
Auf den Philippinen ist der WSS Zugang auf einem relativ hohen Level, wobei auch hier der Zugang zu sanitären Einrichtungen nicht so gut ist wie der zu Trinkwasser. Der HDI ist auch recht hoch, allerdings erhalten die Philippinen nur eine mittlere Bewertung bei der Umsetzung der Richtlinien. Dies mag mit einer gewissen Zufriedenheit einhergehen, da die WSS Access bereits recht gut ist. Hier gilt es, Überzeugungsarbeit zu leisten ,um die Regierung dazu zu bewegen, den WSS Access zu perfektionieren.
 
In Laos ist die Situation wiederum ernster, denn weder der Zugang zu Wasser noch der zu sanitären Einrichtungen befindet sich auf einem zufriedenstellenden Niveau. Auch der Index für die Umsetzung befindet sich auf einem viel zu niedrigem Niveau. In diesem Land ist folglich noch viel Arbeit zu leisten; Arbeit, die BORDA mit den kombinierten DEWATS/CBS (Community Based Sanitation) Lösungen leisten kann.
 
Vietnam ist im Bereich seiner Wasserversorgung sehr weit fortgeschritten, hat allerdings Nachholbedarf im Bereich des Zuganges zur sanitären Grundversorgung. Dieser Nachholbedarf scheint auch in Zukunft noch weiter bestand zu haben, denn die Anstrengungen von Vietnam die Aktionsgrundsätze umzusetzen befinden sich auf einem sehr niedrigen Niveau (sogar etwas niedriger als im Nachbarland Laos). Das Ziel für BORDA könnte hier sein, die Regierungsbeamten von der Leistungsfähigkeit der DEWATS CBS Lösungen zu überzeugen und somit die Einfachheit der Beseitigung des Nachholbedarfes darzulegen.
 
Ein Land, in dem in Zukunft wahrscheinlich BORDA Projekte stattfinden werden ist Pakistan. Und die Vorraussetzungen dafür sind sehr gut: Pakistan besitzt den höchsten CSD 13 Policy Index aller 35 überprüften Nationen. Man kann sagen, dass Pakistan ganz klar bemüht ist, die Missstände in den Bereichen sanitäre Grundversorgung, Wasserversorgung und integriertes Wasser-Ressourcen Management zu beseitigen. Die Versorgung mit Wasser ist bereits auf einem guten Niveau, allerdings fällt der Zugang zu sanitärer Grundversorgung weit dahinter zurück. Auch hier kann BORDA mit seinen Stärken viel bewegen, denn die DEWATS/CBS Lösungen sollten in der Lage sein, einen beträchtlichen Teil der Probleme von Pakistan auf diesem Gebiet dezentral zu beseitigen.
 
Insgesamt ist festzustellen, dass einige Länder sich bereits auf einem guten Weg befinden, ihre eigene Wassersituation zu verbessern. In diesen Ländern hat die Regierung erkannt, dass sie auf die Missstände reagieren muss. Einige andere Länder haben hingegen noch nicht erkannt, wie ernst die eigene Lage ist. Hier gilt es in Zukunft vor allem Überzeugungsarbeit zu leisten.
 
Der Fakt, dass die sanitäre Grundversorgung in vielen anderen Ländern noch sehr problematisch und die Abwasserbehandlung nahezu katastrophal ist, stellt eine Herausforderung für BORDA und sein Partnernetzwerk dar.
 
Tim Cordsen, BORDA Bremen