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800 neue Biosgas-Anlagen werden in 2009 gebaut - BORDA leistete Pionierarbeit in den späten 70gern


Es existieren bereits 4000 Biogas Kraftwerke; 650 davon stehen in Niedersachsen, welches man als Pionierstaat für diese Technologie ansehen kann. Die Industrie rechnet damit, dass bis zu 800 neue Biogas Kraftwerke im Jahr 2009 gebaut werden.
 
Für den Boom gibt es diverse Gründe. Derzeit findet ein sogenannter „Doppel-Effekt“ auf diesem Gebiet statt:
 
Die Preise für die wichtigsten Input-Stoffe Mais und Getreide haben sich im Jahr 2007 verdoppelt aufgrund steigender nachfrage, speziell aus Fernost. Somit verkauften die Landwirte ihre Erzeugnisse zu den hohen Marktpreisen, anstatt sie zu Biogas vergären zu lassen. Aufgrund mangelnder Profitabilität wurde seit Beginn 2007 keine neue Biogas-Anlage gebaut. Um diesen Trend umzukehren beschloss der deutsche Bundestag die Nachbesserung, die eine Erhöhung der garantierten Einspeisesätze vorsieht. In der Zwischenzeit sanken die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse dramatisch ab aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise. Derzeit müssen sich viele Landwirte ein zweites finanzielles Standbein schaffen, da die Marktpreise für ihre Erzeugnisse zu gering sind. Die niedrigen Marktpreise und die erhöhten garantierten Einspeisesätze stellen einen doppelten Anreiz für Landwirte dar, Biogas-Anlagen zu bauen.
 
Neben den nachwachsenden landwirtschaftlichen Rohstoffen wie Mais und Getreide, können die Landwirte auch Gülle und Dung ihrer Nutztiere, organische Abfälle oder Gras als zusätzlichen Input für die Biogas Anlage verwenden. Ein weiterer Grund für den Boom ist die lange Betriebszeit solcher Anlagen, die mit 20-30 Jahren angegeben wird. Somit kann der Landwirt auf langfristiger Basis mit den Krediten und den Einnahmen rechnen. Auch die sehr niedrigen Kreditzinsen aufgrund der Wirtschaftskrise sind ein zusätzlicher Anreiz für kleine und mittelgroße Betriebe, eine Biogas Anlage zu bauen.
 
In den meisten Fällen wird Biogas zur Produktion von Strom und Wärme verwendet. Das Gesetz  zielt auf die vermehrte Produktion dieser beiden Outputs ab. Das Ziel, das hiermit verfolgt wird, ist die Erhöhung des Anteils an Strom, der durch erneuerbare Quellen produziert worden ist, bis zum Jahr 2020 auf 30% auszubauen. Dies ist wichtig für Deutschland, um die Europäischen Emissionsreduktionsziele zu erriechen. Derzeit stammen etwa 14% des deutschen Stromes aus erneuerbaren Energien, 1,5% aus Biogas. Dieser Anteil wird bald aufgrund des Booms wachsen.
 
Das Erneuerbare Energie Gesetz garantiert eine Minimalvergütung für jede produzierte und eingespeiste kWh. Die Höhe der Vergütung ist abhängig von der Kapazität des Biogas- Kraftwerks. Beispielsweise erhalten sehr kleine Anlagen mit einer Kapazität bis zu 150 kW eine Minimumvergütung von 11,5 Cent pro kWh, größere Biogas Kraftwerke mit einer Kapazität von bis zu 5 MW erhalten 8,9 Cent pro kWh. Zusätzlich gibt es einen Bonus, der die Landwirte ermutigen soll, vermehrt Gülle in der Biogas Anlage vergären zu lassen. Um diesen 4 Cent Bonus pro kWh zu erhalten muss Gülle mindestens 30% des gesamten Inputs ausmachen. Besonders kleinere Landwirtschaftbetriebe werden aufgrund der gesetzlichen Nachbesserungen ermutigt , kleine Biogas-Kraftwerke zu bauen.
 
Der Boom auf dem deutschen Biogas Sektor ist sehr interessant für BORDA, da BORDA selbst eine treibende Kraft bei der Wiederbelebung und Verbreitung deser Technologie in den späten 70ger und 80ger Jahren aufgrund von  Forschungs- und Entwicklungsarbeit, dem Aufbau von Kapazitäten und Netzwerkaktivitäten war.
 
Neben dem Abhalten diverser Biogas Workshops in Deutschland und im Ausland, veröffentlichte BORDA den vierteljährig erscheinenden Newsletter „BiogasForum“, der sich an Politiker, Planer und Fachkräfte richtete. Über 20 Jahre hatte dieses Magazin mehr als 1000 Leserinnen und Leser  in 30 verschiedenen Ländern.
 
Heute spielen sauerstoffunabhängige Technologie und die Nutzung von Biogas noch immer eine wichtige Rolle in BORDA’s Arbeits-Portfolio. Im Vergleich zu den landwirtschaftlichen Biogas-Anlagen und den großen Biogas Kraftwerken, die in Deutschland gefördert werden, sind die Biogas Anlagen, die BORDA in seinen Entwicklungsprojekten baut, deutlich kleiner. Die Faulräume der Einheiten besitzen ein Volumen von 20m3 bis 200m3. Sie sind oft ein Teil der DEWATS Anlagen, die Abwasser von Siedlungen und landwirtschaftlichen Betrieben reinigen. Das Biogas, das hier gesammelt wird, wird meist zum Kochen eingesetzt.
 
Somit ist die Biogas Technologie, die in den 70ger und 80ger Jahren von BORDA mit Fokus auf Entwicklungsländer erweitert und etabliert wurde , letztendlich relevant geworden für die Erzeugung von Strom und Wärme in den Industrieländern.
 
Die Vorteile der dezentralen Energieversorgung und Abfallbehandlung werden von der deutschen Regierung anerkannt und gezielt gefördert. Die Nachbesserung des „Erneuerbare Energie Gesetzes“ wird die nachhaltige Entwicklung im deutschen Energie-  und Wärmesektor ankurbeln. Die Zunahme an Strom durch Biogas wird Deutschland helfen , seine Emissionsreduktionsziele für 2020 zu erreichen.
 
Im Gegensatz zu Schweden ist der Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland weiterhin ein politisches Thema. Zusammen mit den Anstrengungen im Bereich der Energieeffizienz und erneuerbaren Energien wurde Biogas ein fester Teil der deutschen Energiepolitik, die einer Versorgung aus nachhaltigen Ressourcen entgegenstrebt.    
 
 Tim Cordsen, BORDA Bremen