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weltwaerts Programm BORDA/TED in Lesotho - Halbzeitbericht von Nachwuchskraft Martina Müller


Arbeitstechnisch verbrachte ich die Hälfte der Zeit auf meiner Baustelle, der Bau einer behindertengerechten Toilettenzelle für ein Heim und angegliedert natürlich auch eine DEWATS Anlage. Diesen Monat konnten wir die Inbetriebnahme beider Bauabschnitte feiern. Nach langem hin und her und der doch manchmal anstrengenden Zusammenarbeit mit einer Baufirma, fanden beide Projekte einen positiven Abschluss. Und ich bin stolz auf meinen ersten verwirklichten Entwurf. Zu der Bauüberwachung musste ich auch viele andere Projektbestandteile organisieren, die Herstellung einer gebogenen Schiebetür war nur eins von vielen interessanten Unterfangen; um nur mal einen kurzen Einblick in meine Arbeit hier in Maseru bei TED-BORDA zu geben.
 
Die Arbeit ist sehr interessant und dadruch dass nicht alles einfach im Baumark etc zu erwerben ist, muss man manchmal sehr kreativ werden. Viel Zeit verbringt man damit, Dinge die in Deutschland all zu normal sind, sich hier schwer zu erarbeiten. Zurückrufen tut so wie so kein Mensch und im Allgemeinen ist Zeit relativ. In Gesprächen ist es schwer zu erfahren, was der Gegenüber denkt, und auch wenn diese Person eine eindeutige Meinung vertritt, lässt sie dich sie nicht unbedingt wissen. Was darin resultiert, dass egal, was man sagt,  tendenziell darin endet, dass man der Buh-mann ist. Und das liegt nicht nur an der teils vorhandenen Sprachbarriere. Im Allgemeinen ist der Informationsaustausch schwierig..
Das Leben hier besteht ja aber nicht nur aus Arbeit, zum Glück. Der Kontakt zu den Einheimischen gestaltet sich auch nach einem halben Jahr noch sehr mühsam. So sind die meisten Freunde, die man gewinnt, alle aus der Internationalen Community. So ergibt es sich, dass eigentlich immer was los ist und man viele verschiedene Leute kennen lernt. Leider bringt dies aber auch immer wieder Abschiede mit sich, da ja nicht alle zum gleichen Zeitpunkt ein- bzw. ausreisen.
 
So musste ich schon zwei lieb gewonnenen Freunden in den letzten 3 Monaten Auf Wiedersehen sagen. Und es werden bis Oktober bestimmt noch so einige folgen.
Am Anfang erwähnte ich auch einen Umzug. Nachdem ich die ersten Monate mein Haupt in einem Bed&Breakfast niederlegte, konnte ich zum 1.März endlich umziehen und wohne seitdem zusammen mit  2 anderen Deutschen im DED Gästehaus. Beide arbeiten für den DED und ich bin gern geduldete Ausnahme, solange kein anderer DED Mitarbeiter ein Dach über dem Kopf braucht. In unserer kleinen Wohngemeinschaft hat jeder sein eigenes Zimmer, wir haben Bad, Küche, Wohnzimmer und unser Stolz ist die Veranda, auf der wir viel Zeit verbringen.
 
Auch wenn es jetzt immer kälter wird und die Momente weniger in denen man bis spät in die Nacht bei einem Glas Wein auf der Veranda verweilen  kann, ist und bleibt sie unsere kleine Oase.
Ja es wird kalt im sonnigen Lesotho. Nachdem nun endlich die Regensaisson vorbei ist; den ganzen Februar lang hat man kaum mal einen blauen Flecken am Himmel gesehen; scheint jetzt eigentlich unentwegt die Sonne, trotzdem merkt man, dass es auf Winter zu geht. Die Nächte sind kalt und ein Pullover mittlerweile ein Pflichtutensil.
Die Wochenendgestalltung hat sich wenig verändert. An vielen Wochenenden versuche ich mit Freunden, Lesotho oder auch Südafrika zu bereisen. Trips zum Tsehlanyane Nationalpark oder auch dem Bokon Naturschutzgebiet  waren eine gelungene Abwechslung zum Leben in Maseru. Das Highlight war für mich der Besuch eines kleinen Dorfes nahe Qachas Nek´s. Mantopi, die Chefin von TED, der lokalen NGO mit der BORDA kooperiert, nahm mich mit auf eine Geschäftsreise in ihre Heimatregion. Und da sowohl die Eltern als auch die Schwester noch dort leben, übernachteten wir abwechselnd bei beiden. Die Erfahrung, tatsächlich mal in einem so ursprünglichen kleinen Dorf in einer Rundhütte auf dem Boden zu schlafen, kein fliessend Wasser zu haben, geschweige den Strom und einfach das alltägliche Basothen Leben live zu erfahren und daran teilzuhaben , so eine Chance ergibt sich kaum.
 
Leider reichten meine Sprachkenntnisse bei weitem nicht aus, um mich mit der Familie richtig zu verständigen, auch wenn ich seit November Sesothostunden nehme. In Maseru komme ich leider nie zum Üben, da fast jeder English spricht.
 
So schön es auch dort war, so bedrückend auch auf der anderen Seite. Viele der Leute sind krank, haben HIV oder AIDS. Wir sollten zum Beispiel am letzten Tag auch die Schwester von einem Freund der Familie besuchen. Der Junge war auch krank, beide Eltern schon verstorben und seit langem war keiner mehr im Krankenhaus gewesen. Leider erfuhren wir Freitag, dass das Mädchen am Mittwoch verstorben war. Das wünscht man nicht mal seinem ärgsten Feind, allein in einem sterilen Krankenhausbett zu sterben und es wird nur per Zufall erfahren. So was bringt einen leider schneller wieder in die erschreckende Realität zurück als man es für möglich hält.
Es ist schreckliche Realität, dass hier viele Familien einfach „ausgerottet“ werden. Viele geben es auch nicht zu, dass sie HIV haben, was das Problem nur verschlimmert. Keine Behandlung heißt für viele langsames Dahinvegetieren und die Verleugnung birgt die Gefahr der weiteren Übertragung in sich. So brutal hier HIV ein Problem ist, kann man sich davon aber nicht niederschmettern lassen. das hilft auch keinem. Und zum Glück gibt es Leute die zu ihrer AIDS Erkrankung stehen und damit ein Vorbild für die vielen anderen sind. Ein erster Schritt in die richtige Richtung.
Insgesamt lässt sich nach 6 Monaten feststellen, dass der  Unterschied in der Mentalität einen manchmal frustrieren kann, wenn man mit seiner angeborenen deutschen Pünktlichkeit und Genauigkeit hier aufläuft. Doch der langsame bedächtige Lebensrythmus ist auch nachvollziehbar. Wenn man in einer Kultur aufwächst, wo das Leben sehr kurz sein kann, kostet man wahrscheinlich den Tag mehr aus. Vielleicht sogar der bessere Weg, das Leben zu durchstreiten und nicht beim Rythmus der Uhrenzeiger komandiert zu sein.