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Nepal: eigenes Land für ehemalige Leibeigene


Im Rahmen des gemeinsamen Projekts von AWO International und SPACE werden 1.530 Familien ehemaliger „Sklavenarbeiter/innen“ im Terai, dem Tiefland Nepals, bei ihrem neuen schwierigen Leben in Freiheit unterstützt. In Nepal gab es bis 2002 zwischen 500.000 und 600.000 Menschen, die jahrzehntelang als sogenannte „bonded labour, kamaiya“ leben mussten: Sie hatten sich als Bauern wegen Wucherzinsen bei Großgrundbesitzern verschuldet und mussten mit ihren Familien die Schulden abarbeiten. Im Juli 2002 trat in Nepal ein neues Gesetz in Kraft, das diese schweren Menschenrechtsverletzungen verbot, die Schulden für nichtig und die Kamaiya zu freien Menschen erklärte. Daraufhin teilte die Regierung den Kamaiya auch eigenes Land zu.

In den neuen Ansiedlungen in Bardiya leben die Familien in einfachen Lehmhütten. Sie bauen Weizen, Linsen, Reis und Sonnenblumen und in Hausgärten Gemüse an. Mit Brunnenbohrungen werden sie unterstützt, ihre Gärten auch bewässern zu können. Um die hygienischen Bedingungen zu verbessern, wurden Latrinen errichtet und Holzgestelle zum Trocknen von Geschirr gebaut.

Die Frauen der Kamaiya arbeiten sehr hart, die Männer sind oft zur Arbeitsmigration gezwungen. Nun haben die Frauen angefangen, Spargruppen zu bilden. Die Gruppenmitglieder gelangen dadurch auch an zinsgünstige Darlehen und müssen nicht länger zum Geldverleiher gehen, der Wucherzinsen bis zu 70 % nimmt. 80 % der Frauen der Kamaiya sind Analphabetinnen. Sie lernen nun in Kursen lesen und schreiben.

Die Männer in Bardiya versuchen, mit Personentransport ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften: Acht Männer haben Rikschas erhalten, mit denen sind sie in der Distrikthauptstadt Personen befördern. Mit einem Teil ihres Verdienstes werden sie die Rikschas in 15 Monaten abbezahlen. Danach soll die nächste Gruppe Rikschas erhalten.

SPACE hat in der Region außerdem Lehmhütten für „Kinderzentren“ errichtet. Dort erhalten die Kinder ergänzenden Unterricht, der ihnen den Anschluss an die staatlichen Schulen ermöglichen soll. Dieses neue Bildungsangebot, das nicht nur den Kamaiya, sondern allen Kindern offen steht, hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Neuankömmlinge von den alt eingesessenen Nachbarn akzeptiert wurden.