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Neues über die Arbeit des IIZ/DVV in Indonesien


Was macht das IIZ/DVV in Indonesien?
Bericht über eine Dienstreise
von Hanno Schindele

Vom 13.11. - 03.12.2005 führte der im IIZ/DVV für Afrika und Asien-Pazifik zuständige Referent, Dr. Hanno Schindele, Projektkonsultationen mit alten und neuen Partnern in Indonesien durch. Solche Partner- und Projektbesuche finden in gewissen Abständen statt, um eventuelle Probleme zu besprechen, den Projektfortschritt zu begutachten und das weitere Vorgehen zu planen.

1. Jakarta

1.1 Center for Women’s Resources Development (PPSW)

Abgesehen von früheren Kooperationen über die ASPBAE, ist PPSW der älteste IIZ/DVV-Projektpartner in Indonesien (seit 1998). Wir sprachen über die Aktivitäten in 2005 und die Pläne für die nächsten Jahre. Im Jahr 2005 konnten die meisten geplanten Maßnahmen durchgeführt werden. Es ergaben sich nur wenige Verzögerungen; einige Aktivitäten konnten zusätzlich in Angriff genommen werden. Ein Action Research, der die sozio-ökonomischen Wirkungen der PPSW-Maßnahmen in der Region Sukabumi/Java untersuchen soll, ist für Ende 2005 geplant.

PPSW arbeitet über Field Workers in 5 Regionen (Jakarta, Java Barat, Bantem, Riau, Pontianak). Jeder Field Worker betreut eine größere Zahl von Community Organisors, die lokal tätig sind. Momentan werden die Schwerpunkte der einzelnen Field Workers analysiert (z.B. im Bereich der wirtschaftlichen Entwicklung, reproduktiven Gesundheit, Erwachsenenbildung), um sie im Bedarfsfalle auch außerhalb ihrer eigenen Region einsetzen zu können. Im Zuge der politischen Dezentralisierung in Indonesien sollen sie mehr Selbständigkeit erhalten und z.B. auch eigenes Fund Raising betreiben.

In 2006 - 2008 wird im wesentlichen die bisherige Projektkonzeption fortgeführt. Neu ist die geplante Einrichtung von Community Learning Centers in den fünf Regionen. In Jakarta entsteht zur Zeit ein erstes solches Zentrum.

Der "Field Trips" in einen nördlichen Vorort Jakartas wurde mit dem Besuch eines Meetings von sechs Frauengruppen verbunden, die sich zu einem Forum zusammengeschlossen hatten. Die Gründung der Gruppen geht bis ins Jahr 1992 zurück; sie umfassen insgesamt 672 Mitglieder und haben ein Kapital von umgerechnet etwa 20.000 € durch Spareinlagen ihrer Mitglieder angesammelt.

Dieses Sparkapital wird in Form eines Revolving Funds zur Vergabe von kleinen Krediten an die Mitglieder verwendet. Diese benötigen die Darlehen für Investitionen z.B. im Bereich von Schneiderei, Food Stalls, Kleinhandel, aber auch für die Bezahlung von Gesundheits- und Schulkosten. Die Spar- und Kreditvereine schütten einmal pro Jahr den durch Verzinsung der Kredite angefallenen Gewinn an die Mitglieder aus.

Die weiblichen Field Workers von PPSW in Jakarta bieten Training und Bewusstseinsbildung für die Gruppen an. Zuerst wurden die Vorstandsmitglieder und Schatzmeisterinnen der Gruppen ausgebildet wurden, dann folgten Unterweisungen in gesundheitlichen, wirtschaftlichen und politischen Fragen für alle Mitglieder. Die Solidarität untereinander ist stark ausgeprägt. Dies zeigte sich zuletzt bei einem Großbrand, durch den 170 Wohnhäuser vernichtet wurden.

1.2 Women Headed Household Empowerment Programme (PEKKA)

Mit PEKKA hatte das IIZ/DVV vor 2-3 Jahren in einem Armutsbekämpfungsprogramm zusammengearbeitet. Die Organisation ist personell eng mit PPSW verbunden und arbeitet in Bürogemeinschaft mit SEAPCP. 

PEKKA unterstützt allein stehende Mütter und deren Selbsthilfegruppenn in acht indonesischen Provinzen (insgesamt 300 Dörfer). Im Tsunami-Gebiet von Aceh hat PEKKA inzwischen mit japanischer Förderung mit einem Hausbauprojekt begonnen.

1.3 Southeast Asia Popular Education Programme (SEAPCP)

SEAPCP besteht aus einem Netzwerk von NGOs in verschiedenen südostasiatischen Ländern. Sie zog letztes Jahr von Kuala Lumpur nach Jakarta um, damit sie stärker personell und büromäßig von PPSW profitieren kann.
In 2005 wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:

  • Entwicklung und Druck eines Handbuches zur Popular Education (in Englisch und Indonesisch)
  • Produktion eines Videofilms zur Community Organising-Methode
  • Trainingsworkshop für Community Organisors im Mekong-Gebiet von Nordthailand
  • Training für Community Leaders und Facilitators in West-Kalimantan und Vietnam (2 Workshops, finanziert durch Zusatzmittel)

Diese Maßnahmen werden in 2006-2008 durch Vorhaben mit den folgenden Schwerpunkten ergänzt:

  • Capacity Building für Community Leaders und lokale Facilitators
  • Entwicklung eines kritischen Bewusstseins in den Communities
  • Empowerment von weiblichen Community Leaders, Organisatoren und SHO-Mitgliedern
  • Dokumentation und Publikation von Best-Practise-Beispielen im Bereich Community Organising in gedruckter und audio-visueller Form
  • Entwicklung eines Forums von CBOs in der südostasiatischen Region
  • Technische Hilfe bei der Organisationsentwicklung von Mitgliedern

1.4 Directorate General Out-of-School Education /
Ministry of National Education (MONE)

Hier beschrieb der Generalsekretär zunächst die einzelnen Abteilungen seines Directorate General (DG), wobei er darauf hinwies, das dessen Struktur und Konzeption gegenwärtig im Wandel begriffen seien. Derzeit gibt es folgende Abteilungen:

  • Literacy Education
    Obwohl die Alphabetisierungsrate bei 90% liegt, gibt es etwa 14 Mio. erwachsene Analphabet/innen in Indonesien. Ziel ist, diese Zahl bis zum Jahr 2009 zu halbieren. Gegenwärtig werden im Rahmen des nationalen Alphabetisierungsprogramms ca. 150.000 Primarschullehrer/innen an Open Universities zu Alphabetisierungslehrer/innen weitergebildet.
  • Equivalency Education
    Hier geht es um das Nachholen von Schulabschlüssen auf den Ebenen A (Primarstufe), B (untere Sekundarstufe) und C (obere Sekundarstufe).
  • Continuing Education
    Diese bezieht sich auf non-formale berufliche Bildung, vor allem im Bereich von Life Skills. Unterstützt und kontrolliert wird eine große Zahl solcher Kurse, die von privaten Institutionen durchgeführt werden. Dabei konzentriert man sich auf ländliche Regionen und die Armutsbekämpfung. Zusätzlich verfügt das Erziehungsministerium über zahlreiche Community Learning Centers (CLCs), an denen vom Staat ausgebildete Facilitators entsprechende einkommensschaffende Fertigkeiten vermitteln. Andere Fachministerien (z.B. für Fischerei, Forstwirtschaft, Landwirtschaft) werden einbezogen. Das staatliche Bildungssystem beschäftigt Out-of-School-Supervisors auf der Provinz- bis zur Distriktebene sowie Field Workers auf der Dorfebene.
  • Women’s Education
    Hier geht es hauptsächlich um das Gender Mainstreaming im Bildungsbereich (Lehrer/Schüler).
  • Early Childhood Education
    Dies ist eine neu eingerichtete Abteilung, die sich mit Vorschulerziehung befasst.
  • Der Director General äußerte starkes Interesse an einer Kooperation mit dem IIZ/ DVV, vor allem in den Bereichen Alphabetisierung, Einkommensschaffung, Armutsreduzierung und Frauenbildung.

    1.5 Ministry for Women’s Empowerment

    Hier gab es ein Gespräch mit der stellvertretenden Ministerin, die für die Abteilung "Protection of Women" zuständig ist. In dieser Abteilung werden folgende Themenbereiche behandelt:
  • Gewalt gegen Frauen
  • Frauen in Konflikt- und Katastrophengebieten
  • Wanderarbeiterinnen (Migrant Workers)
  • Ältere und behinderte Frauen
  • Gefährdete jugendliche Frauen

Weitere Abteilungen des Frauenministeriums beschäftigen sich mit:

  • Gender Mainstreaming
  • Capacity Building
  • Schutz von Mädchen
  • Community Development für Frauen

Die Abteilung “Protection of Women” bildet Koordinatorinnen bzw. Field Workers in fast ganz Indonesien aus. Dies geschieht auf nationaler Ebene für die Provinzen und auf provinzialer Ebene für die Distrikte. Women Empowerment findet in nahezu allen Distrikten statt, wobei die Koordinatorinnen auf Distriktebene allerdings nicht dem Ministerium sondern der lokalen Regierung unterstehen (Dezentralisierungspolitik!).

Das Ministerium verfügt über etliche Frauenzentren, an denen praktische Trainings und Bewusstseinsbildung stattfinden und die letztlich dem Empowerment und der Einkommensschaffung dienen sollen. Ein spezielles Unterstützungsprogramm läuft bereits für Frauen in den Regionen, die von Tsunami sowie ethnischen, religiösen und politischen Konflikten betroffen sind.

Die Vize-Ministerin ist sehr an einer Zusammenarbeit mit dem IIZ/DVV interessiert. Ebenso ist sie bereit, die Kooperation mit den IIZ/DVV-Partnern (z.B. PPSW, PEKKA, etc.) zu intensivieren.

1.6 Deutsche Botschaft

Die deutsche Botschaft wurd über den Stand der Zusammenarbeit mit indonesischen Partnern – einschließlich der Tsunami-Maßnahmen und die weiteren Planungen - informiert. Im Sinne der „EZ aus einem Guss“ wurde ein Kontaktaufnahme und Abstimmung mit anderen deutschen Trägern, die im Bildungsbereich tätig sind, empfohlen. Dazu gehören - neben der GTZ - die politischen Stiftungen, die deutsche Industrie- und Handelskammer und eventuell auch die Deutsche Welthungerhilfe.

1.7 Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ)

Auch bei einem Gespräch mit der Leiterin des Indonesien-Programms der GTZ und einigen GTZ-Mitarbeitern wurde das IIZ/DVV und seine Projektzusammenarbeit mit indonesischen Partnern vorgestellt.

Daneben ging es vor allem um GTZ-Maßnahmen der beruflichen Bildung in
Indonesien und entsprechende Möglichkeiten der Zusammenarbeit und Abstimmung. So fördert die GTZ auf Java fünf Centres of Excellence, denen ein Netzwerk von 22 dezentralen Berufsbildungsinstituten angeschlossen ist. Bei diesem Konzept werden Ausbildung und Produktion (teaching factoriy) verbunden. Die Berufsschulen bieten kurz- und längerfristige Kurse an. Dabei können Kurzkurse nach den Bedürfnissen der Zielgruppen - so auch z.B. für die IIZ/DVV-Partner - maßgeschneidert werden.

2. Flores /Nusa Tenggara Timur

2.1 Flores Institute for Rural Development (FIRD), Ende

Diese 1996 gegründete NGO auf der kleinen Sundainsel Flores ist ein neuer indonesischer Partner, der von INSIST (Indonesian Society for Social Transformation) in Yogyakarta empfohlen worden war, mit der das IIZ/DVV seit langen Jahren in fachlichem Kontakt steht und mit der zusammen ein Projektantrag für die Tsunami-Region in Aceh ausgearbeitet worden war.

FIRD besteht aus einem Netzwerk von acht Bauern- und Fischerorganisationen auf Flores und der kleinen Nachbarinsel Lembata. Mitglieder dieser Einrichtung auf Distriktebene sind insgesamt 288 lokale Gruppen in den Dörfern (ca. je 50-80).

Inhaltliche Schwerpunkte bestehen in der ökonomischen Entwicklung (z.B. organische Landwirtschaft, Spar- und Kreditvereinigungen, Vermarktung), politischer Bewusstseinsbildung, Community Development, Umwelt, Gesundheit etc.. Eine eigene Handelsgesellschaft kümmert sich um die Vermarktung der von den Mitgliedsorganisationen erzeugten Produkte zu gerechten Preisen. FIRD gibt seinen Mitgliedern Hilfestellungen durch Training, Information, Beratung, Forschung und Publikationen.

Im Rahmen des Projekts sollen ab 2006 insgesamt sieben Lernzentren mit Demonstrationsfarmen in den Distrikten aufgebaut werden. Hierfür wird Land aus Gemeinde- bzw. Privatbesitz zur Verfügung gestellt, während Projektmittel für den Kauf von Baumaterialien benötigt werden. Die Arbeitsleistung wird von den Gruppenmitgliedern selbst erbracht. Die Lernzentren sollen die Abhaltung von Treffen und Diskussionen wie auch von Trainingsveranstaltungen ermöglichen; durch Vermietung der Räume an andere Organisationen soll Einkommen erwirtschaftet werden.

2.2 Yayasan Tani Membangun (YASTIM), Distrikt Ende

Etwa 40 km östlich von Ende wurde eine Bauerngruppebesucht, die zur FIRD-Mitgliedsorganisation YASTIM gehört und von dieser betreut wird. YASTIM umfasst 28 Bauerngruppen im Distrikt Ende mit insgesamt fast 700 Mitgliedern (davon etwa 40 % Frauen). Die besuchte Gruppe besteht aus 36 Mitgliedern, die in der Landwirtschaft (Kopra, Kakao, Vanille, Gemüse, Reis), Tierhaltung (Hühner, Ziegen, Schweine, Fische) und Schreinerei (Möbelherstellung) zusammenarbeiten. Auch die Vermarktung wird gemeinsam vorgenommen. Die Gruppe verfügt über einen Demonstration Plot, auf dem organische Landwirtschaft ausprobiert wird.

2.3 Yayasan Flores Sejahtera (SANRES), Maumere / Distrikt Sikka

In Maumere, einer Stadt ca. 150 km östlich von Ende, fand eine Gesprächsrunde am Hauptsitz von SANRES, einem weiteren FIRD-Mitglied, statt, an dem die Mitarbeitenden von SANRES selbst sowie etliche der angeschlossenen Bauerngruppen teilnahmen. SANRES war 1990 im Distrikt Sikka gegründet worden, um zur Armutslinderung in der Region beizutragen. Heute gehören insgesamt 30 Gruppen mit 600 Mitgliedern dazu, die hauptsächlich Bauern und zu einem geringeren Teil auch Fischer sind. Alle Gruppen verfügen über Spar- / Krediteinrichtungen, die wiederum in einer Credit Union zusammengeschlossen sind. Außerdem betreibt SANRES in Maumere einen Laden mit Grundbedarfsartikeln und entwicklungsrelevanten Publikationen, die hauptsächlich von INSIST herausgegeben und von Studentinnen und Studenten der lokalen Universität gekauft werden.

Folgende Leistungen erbringt SANRES für seine Mitglieder:

  • Skills training (z.B. nachhaltige Landwirtschaft, Ikat-Weben, Buchhaltung
  • Political education (z.B. Demokratieförderung auf Dorfebene, gender equality, advocacy)
  • Informationsaustausch zwischen den Gruppen (z.B. gegenseitige Besuche)
  • Management einer Credit Union
  • Gemeinsame Vermarktung (zum Teil über die Handelsgesellschaft von FIRD).

In einem Dorf außerhalb von Maumere wurden zwei Gruppen besucht, die sich mit Ikat-Weben bzw. mit Landwirtschaft einschließlich Tierhaltung befassen. Die Webereigruppe erhält die nötigen Farben von SANRES und führt dafür 50% des Verkaufserlöses an diese Organisation ab. Es besteht ein gut funktionierendes Spar-/Kreditsystem.

Die Landwirtschaftsgruppe bezieht von SANRES zum Beispiel das Saatgut; sie arbeitet bei der Kultivation von Gemüse, Casava, Mais und Cashewnüssen zusammen und hält Hühner, Schweine, Kühe und Hunde (wobei letztere z.T. auch verspeist werden). Erstaunlicherweise findet die Vermarktung jedoch individuell durch die einzelnen Mitglieder statt. Außerhalb des Dorfes haben einige Männer eine einfache Destillerie eingerichtet, in der Palmsaft zu einem hochprozentigen Arrak verarbeitet wird. Sein essigartiger Geschmack ist für deutsche Gaumen gewöhnungsbedürftig, beeinträchtigt aber den Konsum unter den Einheimischen offenbar nicht.

Die Gruppenmitglieder sind bereit, das Grundstück für ein Lernzentrum wie auch für ein Demonstrationsfeld zur Verfügung zu stellen.

3. Molukken

3.1 Dana Mitra Maluku Foundation (DMM), Ambon

Mit DMM, der Finanzierungsinstitution des Baileo-Netzwerkes in den Molukken, begann das IIZ/DVV im Jahr 2005 eine neue Projektkooperation. Durchführungsorganisation in 2005 ist eines der Baileo-Mitglieder, nämlich die Yayasan Pasuri auf der Insel Seram, die 1999 als Task Force gegen die damaligen Ausschreitungen zwischen Moslems und Christen gegründet worden war. Sie spielte eine bedeutende Rolle bei der Konfliktschlichtung und beim sozio-ökonomischen Wiederaufbau der Region.

Das DMM plant für 2006-08 die Förderung von folgenden drei Mitgliedsorganisationen:

  • Yayasan Nusa Marina auf den Lease Islands (Haruku, Saparua, Nusa Laut)
  • Yayasan Sitakena auf den Aru-Inseln
  • Yayasan Humanum auf Ambon / Seram

Jedes Jahr soll von einer dieser NGOs ein Training Center mit Demonstrationsfarm eingerichtet werden (2006 auf Haruku, 2007 auf Aru, 2008 auf West-Seram). Es ist geplant, dort Kurse zu bestimmten technischen und Managementfertigkeiten für Bauern und Fischer, aber auch zu allgemeinen Entwicklungsfragen und ökonomischen, sozialen und kulturellen Themen für lokale Führer/innen abzuhalten. Die Yayasan Pasuri soll zunächst weiterhin durch Monitoring und Beratung von DMM unterstützt werden. Allerdings geht man davon aus, dass sie – wie später auch die anderen drei Organisationen – sich durch Aktivitäten des Zentrums selbst erhalten kann.

Baileo und DMM betrachten das IIZ/DVV-Projekt mit der Errichtung von insgesamt vier Training Centers als äußerst wichtig, da es ein Modellbeispiel für die Kombination von ökonomischer Entwicklung, Solidaritäts- und Friedenserziehung zwischen den einstigen Konfliktparteien auf den Molukken biete. Es soll soweit wie möglich ausgeweitet und eventuell auf andere Regionen Indonesiens übertragen werden.

3.2 Yayasan Pasuri, Seram

Bei einem Field Trip nach Waru im Westen der Molukkeninsel Seram wurde das Pasuri-Büro und das neue Training Center besucht. Die Konstruktion des mit IIZ/ DVV-Mitteln finanzierten Training Centers ist weit fortgeschritten: 650 m einer Zufahrtsstraße und ein Bürogebäude sind fertig gestellt; bei der Multipurpose Meeting Hall stehen bereits Fundament, Tragebalken und Dachgerüst. Im Bürogebäude läuft bereits ein zweiter Ausbildungskurs in organischem Gartenbau und in nachhaltiger Landwirtschaft einschließlich Tierhaltung mit etwa 20 Teilnehmenden aus der näheren Umgebung. Diese Kurse laufen überlappend jeweils eine Kultivationsphase von drei Monaten lang. Die Auszubildenden bearbeiten jeweils ein individuelles und ein gemeinsames Stück Land, wobei der Erlös aus der Gemeinschaftsarbeit der Yayasan Pasuri zugute kommt.

In den nächsten beiden Jahren sollen mit finanzieller Förderung von NOVIB weitere Gebäude errichtet werden, so eine Küche, Gästehäuser und ein Dormitory für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Ein Teil des sehr großen (preiswert erworbenen) Geländes wurde gerodet und darauf der erste Demonstration Plot angelegt. Es werden mit Hilfe von natürlichem Dünger, selbst erzeugtem Kompost und biologischen Insektiziden Tomaten, Spinat und Zwiebeln angebaut. Zwei Kühe wurden angeschafft; im Folgejahr sollen weitere Haustiere und ein Fischteich hinzukommen. Ziel ist letztlich, ein Permaculture-System aufzubauen.

Die Teilnehmer/innen (in jüngerem und mittlerem Alter, Männer wie Frauen) zeigten sich sehr motiviert, Landwirtschaft mit organischen Methoden zu betreiben. Sie hatten die Erfahrung gemacht, dass auf diese Weise erzeugte Produkte gesünder und geschmackvoller sind und somit einen guten Absatz finden. Einen weiteren Vorteil sehen sie darin, dass sie keine teuren chemischen Düngemittel kaufen müssen.

3.3 Yayasan Nusa Marina, Haruku

Bei einem zweiten Field Trip nach Haruku, einer östlich von Ambon gelegenen Insel, stand der Besuch eines ähnliches Vorhabens an, das von dem Baileo-Mitglied Yayasan Nusa Marina betrieben wird. Nusa Marina ist auf den Lease-Inseln (Haruku, Saparua, Nusa Laut) aktiv und arbeitet mit einem siebenköpfigem Vollzeitteam. Daneben ist auf jeder der drei Inseln je ein Trainer tätig; ehemalige Kursteilnehmer/innen und Community Leaders wirken als Facilitators, weitere 30 Freiwillige als Community Organisors.

Nusa Marina begann seine Aktivitäten bereits vor den Unruhen auf den Molukken Ende der 90er Jahre. Während des Konflikts zwischen Christen und Moslems konzentrierte sich die Organisation auf Nothilfemaßnahmen; danach wurden Capacity Building (z.B. Leadership Training, Gender Awareness, Political Advocacy) und Wirtschaftsförderung auf Gemeindeebene (z.B. organische Landwirtschaft und Tierhaltung, Community Organising) zum Schwerpunkt. Es besteht ein Demonstration Plot, auf dem die Auszubildenden zur Zeit Bohnen, Spinat, Tomaten und Auberginen anpflanzen. Die Tierhaltung umfasst Ziegen, Kühe und Schweine. Das Grundstück wurde der NGO von einem traditionellen Führer zur Verfügung gestellt.

Errichtet wurden bisher eine Dining Hall, die provisorisch als Trainingszentrum benutzt wird, ein überdachtes Freizeitgelände und ein Toilettengebäude. Für das Jahr 2006 ist mit IIZ/DVV-Mitteln der Bau einer Trainingshalle mit einem Büro geplant. Die weiteren Gebäude sind von der Finanzierung her noch nicht gesichert; man hofft aber auf zusätzliche Mittel von NOVIB. Insbesondere die vorgesehenen Guest Cottages für Lecturers/Facilitators wären eine sinnvolle, einkommensschaffende Investition, da sie zwischendurch an Öko-Tourist/innen vermietet werden könnten. Das Grundstück grenzt an einen schönen Palmenstrand mit vorgelagertem Korallenriff.

Durch die Projektkonsultationsreise konnten praxisnahe und aktuelle Eindrücke von der Projektarbeit der Partner gewonnen werden. Die Gespräche mit ihnen führten zu einem vertieften gegenseitigen Verständnis und einer weiteren Abstimmung von Konzeptionen, Methoden und Strategien. Die Vorhaben und Planungen für die Zukunft konnten verfeinert werden. Es wurde der Eindruck bestätigt, dass die "alten" Partner PPSW und SEAPCP (- ein weiterer Partner, PESADA in Nord-Sumatra wurde bei dieser Reise nicht besucht - ) sehr aktiv und erfolgreich sind und ihre Maßnahmen effektiv durchführen. Auch die Maßnahmen der neuen Partner DMM und FIRD sind gut durchdacht und zielen auf  Capacity Building und die sozio-ökonomische Entwicklung von benachteiligten ländlichen Bevölkerungsgruppen ab. Durch diese Ausweitung des Partnerspektrums kann die Projektarbeit in Indonesien inhaltlich und geografisch abgerundet werden. Die Vernetzung und der Informationsaustausch zwischen den Partnern über erfolgreiche modellhafte Vorhaben ermöglichen Übertragungs- und Synergieeffekte.