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Regionalkonferenz in Pretoria "Cooperating out of Poverty"


Der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV) veranstaltete vom 5. bis 10. Februar 2006 im Rahmen des vom BMZ geförderten Projekts zur Förderung des Genossenschaftswesens in Südafrika, Namibia und sonstigen afrikanischen Ländern in Zusammenarbeit mit der ICA und der ILO eine Regionalkonferenz in Pretoria zu dem Thema „Cooperating out of Poverty“.

ICA und ILO haben im Jahr 2005 zu einer „Globalen Genossenschaftsaktion gegen Armut (Global Co-operative Campaign Against Poverty)“ aufgerufen. Diese Aktion unterstützt die Millenium Development Goals, denen sich auch der DGRV in seiner internationalen Arbeit verpflichtet fühlt.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Kenia, Lesotho, Malawi, Mauritius, Simbabwe, Südafrika, Swasiland und Tansania informierten und diskutierten über die Rolle von Genossenschaften bei der Armutsminderung. Vertreten waren Fach- und Führungskräfte sowohl aus Genossenschaftsorganisationen in den jeweiligen Ländern als auch aus staatlichen Genossenschaftsbehörden. Diese Zusammensetzung führte zu durchaus kontroversen Diskussionen über die Rolle von Regierungen bei der Genossenschaftsförderung. Der weitaus überwiegende Teil der Teilnehmer sprach sich für eine stark zu reduzierende Rolle des Staates aus. Entsprechend ihrem Selbsthilfecharakter sollten die Genossenschaften soweit wie möglich aus eigener Kraft wachsen und sich entwickeln, indem sie subsidiäre Genossenschaftsstrukturen auf regionaler und nationaler Ebene schaffen. Der Staat solle sich auf die Schaffung von genossenschaftsfreundlichen Rahmenbedingungen (Genossenschafts- und Bankengesetz, Prüfungsvorschriften, Unterstützung im Aus- und Fortbildungsbereich) beschränken.

Der Zugang zu Finanzdienstleistungen insbesondere für ärmere Bevölkerungsschichten, der über die Förderung von Spar- und Kreditgenossenschaften und Versicherungsgenossenschaften erreicht werden kann, wurde eingehend an erfolgreichen Beispielen aus Kenia und Malawi vorgestellt. Als hemmend für die Entwicklung wurde insbesondere auch der Mangel an geeigneten und gut ausgebildeten Führungspersonen und Mitarbeitern von Genossenschaften hervorgehoben. Der langfristig angelegte Genossenschaftsausbildung, wie sie beispielsweise im Moshi University College of Co-operatives and Business Studies, Tansania, erfolgt, müsse zukünftig ein weitaus größeres Gewicht beigemessen werden.

Unter der Leitlinie „was dem einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele“ stellte der DGRV in Südafrika seinen Ansatz der Genossenschaftsförderung vor: Die Chancen für viele liegen in der Kooperation mit anderen. Solidarität und gemeinsames (unternehmerisches) Handeln, das auf den Prinzipien der Selbsthilfe, der Selbstverantwortung und der Selbstverwaltung beruht, ist ein wirksamer Weg, die Armut gemeinsam zu bekämpfen.

Die DGRV-Partnerorganisation in Südafrika, die Yebo Genossenschaft (ein Zusammen-schluss von Selbsthilfegruppen und Genossenschaften), stellte anhand der Förderung von Einkaufs- und Vermarktungsgruppen (insbesondere von Bäckern in Townships) ihren erfolgreichen Ansatz der lokalen Wirtschaftsförderung durch Genossenschaften vor. Genossenschaften im Handwerks- und Handelssektor sind weitaus weniger bekannt als Finanz- und Agrargenossenschaften. Die Teilnehmer/innen wollen in ihren Ländern dafür sorgen, dass über den Austausch von Erfahrungen auch diese Genossenschaften größere Verbreitung finden. Der DGRV wird diesen Prozess im Rahmen des Projekts unterstützen.

Die Konferenzteilnehmer/innen vereinbarten, den begonnenen Erfahrungsaustausch fortzusetzen. Kursinhalte und Ausbildungsmaterialien des Colleges in Moshi sollen den Teilnehmer/innen zugesandt werden. Die Co-operative Insurance Company (CIC) in Kenia wird ihre Informationen über Versicherungsprodukte zur Verfügung stellen. Erfahrungen in der Formulierung von neuen Genossenschaftsgesetzen und anderen für Genossenschaften relevanten Gesetzen sollen mit Ländern, die diesen Prozess noch vor sich haben, ausgetauscht werden. Das Regionalbüro der ICA in Nairobi/Kenia erklärte sich bereit, diesen Koordinierungsprozess übernehmen.