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Winfried Böll – Erfinder der Sozialstrukturförderung


Aus Anlass und zu Ehren seines 80. Geburtstages fand am 10. Februar 2005 ein Gespräch „Wie es bei der Gründung des BMZ zuging“ statt. Der Jubilar fand eine große Runde aufmerksamer Zuhörer, als er über das Ende der Kolonialzeit, den Beginn von Entwicklungshilfe und dann die Schaffung eines eigenen Ministeriums Ende der 50er bis Anfang der 60er berichtete. Er erzählte dies in einer wunderbaren Mischung von Fakten und Anekdoten, persönlichen Hoffnungen und Enttäuschungen. Mit der Riege der Minister, beginnend mit Walter Scheel und später natürlich Marie Schlei als erster Ministerin, weckte er Erinnerungen.

Der damalige Staatssekretär Vialon schrieb Böll „Witterung für die Zukunft“ zu. Er gestaltete die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) über Jahrzehnte, denn auch nach seinem viel zu frühen Ausscheiden als Abteilungsleiter aus dem BMZ blieb er der Entwicklungspolitik treu, sei es als Mitarbeiter des Gustav-Stresemann-Instituts oder auch als Ehrenmitglied der Deutschen Unesco-Kommission.

Zwei Aspekte fand ich in seinen Ausführungen aus der Sicht der AGS besonders bemerkenswert: Für ihn seien der kulturelle Faktor und die Orientierung an den Partnern die alles entscheidenden Dimensionen in der EZ. Und ausdrücklich nannte er die Notwendigkeit der Mobilisierung von Fachkompetenz im Inland zur Unterstützung der Arbeit in den Entwicklungsländern: dafür habe er die Schaffung eines eigenen Titels: Förderung der Sozialstruktur vorgeschlagen, was dann 1964 umgesetzt wurde.

Die Veranstaltung wurde von Günter Oldenbruch und Christian Nakonz moderiert. Gastgeber war Ernst Kehrbusch in den Bonner Räumen der Friedrich-Ebert-Stiftung; er verwies auf zig Meter Literatur und Dokumente von und über Böll in Bibliothek und Archiv. Prof. Uwe Holtz referierte zu „Stationen der deutschen EZ“, und Zeitzeugen wie Pakleppa, Kerckhoo, Osner, Molt u.v.a.m. trugen zum bunten Mosaik bei. Eingeladen hatte die Society for International Development-Chapter Bonn; es war zugleich das 35. Entwicklungspolitische Fachgespräch.