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BORDAs Beitrag zum Internationalen Jahr der sanitären Grundversorgung 2008 (IYS)


2.600.000.000 Menschen, das sind mehr als jeder Dritte von uns! Mittlerweile gelten die negativen Auswirkungen mangelnder sanitärer Bedingungen auf die öffentliche Gesundheit, die Armutssituation, die ökonomische und soziale Entwicklung sowie auf die Umwelt unter Experten als unumstrittene Tatsache. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen stellte fest, dass die Fortschritte im Bereich der Basissanitärversorgung nur langsam und unstet sind - trotz bedeutender Bemühungen seitens der Regierungen zum Erreichen der Millennium-Entwicklungsziele.

Die Folge ist, dass Millionen von Menschen von vermeidbaren Krankheiten betroffen sind. So sterben täglich etwa 5.000 Menschen, überwiegend Kinder, an Durchfallerkrankungen. Um diese „2,6 Milliarden Lücke“ der angemessenen sanitären Versorgung zu bewältigen, muss gleichermaßen für die Menschenwürde der betroffenen Personen als auch für die Bewahrung der gemeinsamen Umwelt gearbeitet werden.

Das Partnernetzwerk der Bremer Arbeitsgemeinschaft für Überseeforschung und Entwicklung (BORDA e.V.) hat zum Ziel, die Lebensbedingungen von benachteiligten gesellschaftlichen Gruppen zu verbessern und eine intakte Umwelt zu erhalten. Dies geschieht durch die Verbreitung von nachfrage- und grundbedürfnisorientierten Dienstleistungen (BNS=Basic Needs Services) in den Bereichen dezentraler Sanitär-, Wasser- und Energieversorgung sowie Abwasser- und Abfallentsorgung in Süd- und Südost-Asien sowie im südlichen Afrika.

Welchen Beitrag leistet das BORDA Netzwerk zur Verringerung der angesprochenen Probleme und zur Förderung des IYS?

1. Das fortsetzen, was BORDA seit Jahrzehnten macht – aber jedes Mal ein bisschen besser!

Was ist DEWATS/CBS? Als dezentrale Abwasser-Reinigungssysteme sind DEWATS-Anlagen eine bewährte Lösung im Hinblick auf hygienische und umweltfreundliche sanitäre Grundversorgung. In Kombination mit Gemeinschaftssanitärlösungen (CBS) ist DEWATS aber weitaus mehr als eine rein technische Lösung. Alles in Allem umfasst es ein breites Konzept, welches sachgemäße und flexible Anpassungen für unterschiedliche Nutzerpräferenzen ermöglicht sowie in unterschiedlichen Regionen und Ländern umsetzbar ist. Bewährte Lösungen werden zu Standards und garantieren ein einwandfreies biologisch-chemisches Funktionieren des Reinigungsprozesses und eine sachgemäße technische Durchführung aber auch die sozio-ökonomische Planung, Betrieb und Wartung.

BORDA sieht in seinen Systemen zur dezentralen Abwasserbehandlung eine Lösung, um 50% des so genannten „sanitation gap“ zu schließen. Diese Einschätzung beruht auf langjährigen Projekterfahrungen in Asien und Afrika. DEWATS hat sich dabei als eine bewährte Lösung erwiesen. Dies ist sowohl Folge von jahrzehntelanger Systementwicklung, die sich in Qualitätsmanagement und Standardisierung zeigt, als auch von ständigen Verbesserungen aufgrund von Evaluierungen und Forschungsprojekten.

Ein Erfolg des BORDA Netzwerks ist z.B. die Verbreitung von DEWATS/CBS in Indonesien. Hier wurden mehr als 100.000 Einwohner nachhaltig mit angepassten und umweltschonenden Sanitäranlagen versorgt. BORDA arbeitet mit etwa 250 lokalen Gemeinden und mit über 100 lokalen Regierungen in 17 Provinzen zusammen. Die Erfolgszahlen steigen kontinuierlich.

Das BORDA-BNS-Netzwerk für dezentrale Lösungen verfügt zudem über einen Wissenstransfer zwischen den BORDA Experten in Asien, Afrika und Europa. Das Wissen über die Anpassung von Vorgehensweisen und Konstruktionselementen an die unterschiedlichen politischen, soziokulturellen und natürlichen Bedingungen sind dokumentiert und verfügbar. So kann unter verschiedensten Bedingungen sowohl die finanzielle Nachhaltigkeit als auch ein verlässlicher Betrieb und Instandhaltung erzielt werden. Dies wird durch gleichberechtigte Partizipation der unterschiedlichen Akteure, d.h. Nutzer, Gemeinden, lokale Regierungen und Netzwerkpartner erreicht. So konnte sich das Wissen des Netzwerks durch jahrelange Verbreitungspraxis erweitern: Von „wie baut man eine bis zwanzig Anlagen?“ bis zu „wie verbreitet man dezentrale Abwassernehndlung und sachgemäße sanitäre Grundversorgung landesweit? und „wie benutzt man dieses Wissen, um Lösungen auch in anderen Ländern einzuführen?“. Eine flexible Verbreitungsstrategie wurde geboren. So kam BORDA zu der Überzeugung, dass DEWATS für eine internationale Verbreitung in großem Umfang geeignet ist.

Da es nicht realistisch ist anzunehmen, dass zentrale Abwasser-Behandlungsanlagen oder hygienisch bedenkliche Latrinen das Versorgungsdefizit für 2,6 Milliarden Menschen lösen können, behauptet BORDA, dass DEWATS zurzeit die einzige umsetzbare Lösung ist, die zumindest 50% des globalen sanitären Versorgungsproblems lösen kann.

Daran jeden Tag zu arbeiten und es systematisch zu verbessern, ist ein Weg, wie BORDA das internationale Jahr der sanitären Grundversorgung 2008 unterstützt.

2. BORDA informiert die Öffentlichkeit und die Expertengemeinschaft.

BORDA verbreitet die Erkenntnis, dass mindestens 50% des „2,6 Milliarden sanitation gap“ durch die bewährten CBS-Anlagen in Kombination mit dezentralen Abwasser-Behandlungsanlagen (DEWATS) geschlossen werden kann und DEWATS/CBS die Lösung für diese Versorgungslücke zwischen zentralen Systemen und Latrinenlösungen ist. Daher hat BORDA für das Jahr 2008 unterschiedliche Aktivitäten geplant, wie die Teilnahme an regionalen Messen und Konferenzen. Ein Höhepunkt ist die Teilnahme des BORDA-BNS-Netzwerkes an der Welt-Wasser-Woche in Stockholm im August 2008. Darüber hinaus gibt BORDA einen DEWATS-Newsletter heraus, der regelmäßig an einen großen Kreis von Interessierten in Europa, Asien und Afrika versendet wird.

3. BORDA redet persönlich mit Entscheidungsträgern auf allen relevanten sozialen und politischen Ebenen.

Jeder, der für Veränderungen mit großen Auswirkungen auf die Zukunft arbeitet, weiß, dass solche Lösungen den Mut zu starken Entscheidungen verlangen. Die mangelhafte weltweite Basissanitärversorgung ist ein solches Problem. Deshalb sollten fundierte Fakten und Argumente, verstärkt an Entscheidungsträger kommuniziert werden, denn diese können aus ihrer Position heraus mehr erreichen, als jemand anders.

Wer sind diese Entscheidungsträger? Die Familien in einem Arbeiterviertel oder einem Slumgebiet müssen entscheiden, ob sie an einem Programm von BORDA partizipieren wollen oder nicht. Relevante Personen aus Stadtverwaltungen in lokalen, regionalen und nationalen Regierungen, Behörden sowie private Interessensvertreter müssen entscheiden, ob sie an einem Programm mitwirken wollen oder nicht. In Kontakt zu sein mit solchen Entscheidungsträgern, ist eine der tagtäglichen Aufgaben in den Programmregionen. In Deutschland begann BORDA Bremen fruchtbare Diskussionen mit den Mitgliedern des deutschen Bundestages in Berlin. Die wesentliche Botschaft ist erneut, dass die dezentrale sanitäre Grundversorgung kombiniert mit dezentraler Abwasserbehandlung der Schlüssel ist, um mindestens 50% des globalen „sanitaion gap“ zu schließen.

Was ist nun notwendig für eine internationale Verbreitung mit großem Ausmaß? Dezentrale sanitäre Grundversorgung und Abwasserbehandlung sind nicht länger in einer Pilotphase. DEWATS/CBS ist bereit und anwendbar für einen weitaus größeren und signifikanten Beitrag zur Überwindung des globalen Problems der Basissanitärversorgung. Und globale Probleme benötigen den Mut zu starken Entscheidungen!